Spiegeln uns die Tiere tatsächlich?

Neulich bekam ich die Email einer Dame, in der sie mir erzählte, dass sie seit einiger Zeit fast den ganzen Tag mit Schmerzen in der Speiseröhre zu kämpfen hatte. Beim Schlucken kam es immer wieder zu schmerzhaften Krämpfen, dazu ein unangenehmes Fremdkörpergefühl. Gleichzeitig hatte ihr Hund starke Sodbrennenattacken, so heftig, dass er dabei geweint hat. Zusätzlich bemerkte sie beim Zähneputzen eine Zahnfleischentzündung an seinem vorletzten unteren linken Backenzahn. Als sie darüber nachdachte, wurde ihr ganz anders. Denn genau dieser Backenzahn war in denselben Tagen auch bei ihr am Zahnfleisch schmerzhaft und empfindlich gewesen.

 

Diese Beobachtungen brachten sie zu der Frage, ob ihre eigenen Beschwerden etwas mit den Symptomen ihres Hundes zu tun haben könnten. Ob sie ihm durch ihre Unachtsamkeit oder ihren Stress ungewollt etwas übertragen hatte. Und ob das bedeuten würde, dass unsere Tiere all das mittragen müssen, was wir selbst nicht rechtzeitig wahrnehmen.

 

Solche Spiegelthemen sind in der Tierkommunikation sehr verbreitet. Es gibt viele Situationen, in denen Tiere ähnliche Symptome oder Erkrankungen zeigen wie ihre Menschen. Das führt oft zu der Vorstellung, Tiere würden unsere Krankheiten aus Liebe übernehmen, um uns zu entlasten.

 

Über diese Sichtweise habe ich lange nachgedacht und auch viele Tiere dazu befragt. Mit der Zeit ist in mir eine andere Haltung gewachsen. Unsere Tiere lieben uns, daran besteht kein Zweifel. Gerade deshalb nehmen sie uns unsere Lernprozesse nicht ab. Körperliche Beschwerden tragen häufig Hinweise in sich. Sie lenken unsere Aufmerksamkeit auf Themen, die gesehen werden wollen. Würden Tiere uns das abnehmen, würde uns etwas Wesentliches entgehen.

 

Was Tiere jedoch häufig tun, ist, uns gegenüber kaum Grenzen zu setzen. Durch diese große Nähe bewegen sie sich in denselben inneren und äußeren Zusammenhängen wie wir. In diesen Zusammenhängen entstehen Spannungen, Stress oder körperliche Themen. Das geschieht meist unbewusst und ist keine Entscheidung des Tieres. Tiere sind offen, verbunden und sehr empfänglich. Diese Offenheit bringt viel Nähe, aber auch wenig Abgrenzung mit sich.

 

Das bedeutet nicht, dass Tiere für unser Verhalten büßen müssen. Schuld ist hier kein hilfreicher Gedanke. Kaum jemand würde seinem Tier absichtlich schaden. Hilfreicher ist ein Blick, der Verantwortung übernimmt, ohne zu verurteilen.

 

Wir können unseren Tieren innerlich erklären, dass wir unsere Themen selbst tragen möchten. Dass wir bereit sind hinzuschauen und daraus zu lernen. Wir können bewusst darauf achten, Belastendes bei uns zu behalten und nicht in die gemeinsame Nähe hineinwirken zu lassen. Das kann durch innere Ausrichtung geschehen, durch Rituale oder durch klare Abmachungen mit uns selbst. Oft genügt es schon, sich den eigenen Themen wirklich zuzuwenden und sie ernst zu nehmen.

 

Schwierig wird es dort, wo Tierhalterinnen das Gefühl bekommen, sie hätten durch ihre Lebensweise oder ihr Verhalten ihrem Tier geschadet. Das erzeugt Druck und hilft weder dem Menschen noch dem Tier. Unterstützend ist es, den Menschen zu stärken und gleichzeitig dem Tier zu helfen, wieder in sein körperliches und seelisches Gleichgewicht zu finden.

 

🌸 Zum Schluss

 

Unsere Tiere nehmen uns keine Krankheiten ab. Sie sind uns sehr nahe und teilen viele Bereiche unseres Lebens. In dieser Nähe können sich auch Symptome ähneln. Wenn wir beginnen, unsere eigenen Themen bewusst anzunehmen und bei uns zu behalten, wirkt sich das oft auch auf unsere Tiere aus.

 

Vielleicht kennst du ähnliche Beobachtungen bei dir und deinem Tier. Dann darfst du dir Zeit nehmen, hinzuschauen, ohne etwas sofort einordnen oder erklären zu müssen. Manches verändert sich, wenn wir Verantwortung übernehmen und dabei freundlich mit uns selbst bleiben.