Sechs auf einen Streich

Genau eine Woche, nachdem ich das Tierheim auf Aegina das erste Mal besucht hatte, wachte ich am Morgen durch ein lautes Winseln von Welpen auf. Nur Welpen können so herzzerreißend nach ihrer Mutter schreien und so machten wir uns zu dritt noch im Pyjama auf die Suche nach den Welpen. Weit brauchten wir nicht zu gehen, denn genau vis-a-vis der Hoteleinfahrt, knapp neben der Hauptstraße, fanden wir die ersten drei schwarzen Wollknäuel. Als wir näher kamen, zählten wir insgesamt sechs Welpen, die dort jemand mit trockenem Weißbrot ausgesetzt hatte. Sie wachten gerade erst auf und das erste war natürlich, nach ihrer Mutter zu rufen. Doch diese war weit und breit nirgends zu sehen. 

 

Die Hoteleigentümerin und meine gute Freundin Angelika erzählte mir, dass genau an diesem Platz auch schon vergangenes Jahr im September zwei Welpen hinterlegt wurden, in der Hoffnung, dass sie jemand findet und rettet. Ich möchte hier wirklich nicht näher darauf eingehen, was wir uns wohl alle über solche Menschen denken, die hilflose kleine Kreaturen ihrer Mama wegnehmen und direkt neben eine stark befahrene Straße legen. Lasst uns nicht in dieser Energie der Wut verharren, sondern lasst mich weitererzählen.

 

Sobald sie uns bemerkt hatten, kam langsam Leben in die kleinen Hunde und mutig staksten sie ihren Weg auf mich zu. Dadurch konnte ich sie ein bisschen von der Straße weglocken, während mein Vater einen Karton suchte, um das offene Gelände von der Straße abzugrenzen. Mittlerweile brachten zwei Engel (verkleidet als englische Touristen) etwas Wasser und eine Schüssel, sodass die Kleinen zumindest zu trinken hatten. Doch es war uns schnell klar, dass wir die sechs Welpen von dort wegbringen müssten, da es einfach zu gefährlich war und sie angemessenes Futter brauchten. 

 

Angelika borgte uns ihr Auto und so packten wir die Meute in zwei große Kartons und fuhren erneut den Weg ins Tierheim hoch. Dort waren die Mitarbeiter sofort sehr hilfsbereit und brachten die Welpen in ein abgetrenntes Zimmer, um sie in Ruhe zu füttern und sie erst einmal in Sicherheit schlafen zu lassen. Trotz der raschen Hilfe war klar, dass sechs neue Hunde bei der ohnehin schon vorherrschenden Überbelegung eine mittlere Katastrophe (übrigens ein griechisches Wort) bedeuten, aber dass sie auch diese Herausforderung mutig annehmen werden. Erst da hatte ich bemerkt, dass ich noch immer meinen Pyjama anhatte (was in Griechenland ja nicht weiters auffällt) und wir fuhren erst einmal wieder ins Hotel zurück, um ebenfalls zur Ruhe zu kommen. Welpenrettungsaktionen vor dem ersten Kaffee sind nicht jedermanns Sache. 

 

Drei Tage später sprach ich "zufällig" mit einer ganz lieben Dame aus Österreich, die hier auf Aegina lebt, und sie erzählte mir, dass es am Hafen wohl eine große Hündin gäbe, die ihre Welpen sucht. Das habe sie von anderen Touristen gehört. Sie sähe den schwarzen Welpen zwar nicht ähnlich, aber vielleicht könne ich die Augen offenhalten, falls ich weitere Welpen finde. 

 

Tags darauf erzählte mir Angelika, dass ihr am Hafen eine Dame "zufällig" (die Schutzengel hatten dieser Tage sehr viel mit uns zu tun) erzählte, eine weiß-braune Hündin mit ihren sechs Welpen regelmäßig gesehen zu haben. Diese ist eine Straßenhündin, die in einem Hinterhof ihre Welpen geboren hatte. Als die Welpen dem Besitzer dieses Hinterhofes zu laut wurden, hatte er sie wohl eines Nachts eingepackt und ans andere Ende der Ortschaft gebracht, wo wir sie dann fanden. 

 

Wir riefen die nette Dame aus Österreich an und brachten gemeinsam die Hündin, die sich widerstandslos einfangen ließ, ins Tierheim. Dort war sie verständlicherweise erst einmal unter großem Schock und sehr ängstlich ob der vielen Hunde, doch die Mitarbeiter konnten sie kurz zu ihren Welpen lassen, die sofort zu säugen begannen. 

 

Da ihr die Welpen nach einer Weile aber doch zu viel wurden, kam die Hündin in ein extra Gehege gleich nebenan, wo sie zur Ruhe kommen konnte und das vielleicht erste Mal in ihrem Leben keine Angst haben brauchte, nicht genügend zu trinken oder zu fressen zu bekommen.

 

Mutter und Kinder sind nun wieder vereint und dies war auch die erste Nacht, in der ich zum ersten Mal wieder ruhig geschlafen habe.

 

Geht es dir auch manchmal so, dass du tagtäglich auf Facebook oder in den Nachrichten von Tierleid liest, und dadurch versucht bist, dieses zu leugnen, damit es dich nicht kaputt macht? Mir geht es so, ganz ehrlich. Und doch weiß ich, dass jeder von uns helfen kann - nicht immer und überall - aber in diesen Momenten, die uns förmlich "am Tablett" serviert werden. Hier zeigt das Universum ganz deutlich, dass es sehr wohl unsere Aufgabe ist, zu helfen und zu erkennen, dass der Unterschied, den wir machen,  ein wesentlicher ist.

 


Nachtrag vom Februar 2017

Trotz aller Versuche, die Welpen zu retten, starben sie binnen kurzer Zeit an einem sehr aggressiven Parvovirus. Wir sind alle unendlich traurig darüber, doch der kleine Trost bleibt, dass sie ihre letzten Stunden nicht alleine auf der Straße verbringen mussten, sondern in der Obhut von lieben Menschen waren. Ich möchte mich nochmals von Herzen bei euch bedanken, die ihr für die Welpen und die Mutter gespendet habt. Das Geld ging in die medizinische Betreuung der Welpen und seitdem in die Betreuung der Mutterhündin.

Wobei ich auch schon beim positiven Teil meiner Neuigkeiten angekommen bin: Nelly, der Mutterhündin. Nelly lebt nun im Tierheim und freut sich sehr über ein paar streichelnde Hände und einen vollen Futternapf. Doch natürlich wäre es das Größte für sie, ein eigenes Körbchen zu finden.

 

Bitte lies hier über Nelly weiter und teile den dortigen Artikel auch, vielleicht erreicht er gerade durch dich denjenigen, für den Nelly bestimmt ist - ich danke dir!

 

Hier kannst du dir auch ein Video von Nelly ansehen. 

 

Wenn du aktiv Nelly und ihren Kollegen aus dem Tierheim helfen möchtest, dann spende bitte direkt auf folgendes Konto:

 

Animal Protection Aegina Agistri

Alpha Bank

IBAN: GR54 0140 1610 1610 0200 2005 793

 

BIC:177 61 7800

 

Von ganzem Herzen DANKE!



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Kommentare: 2
  • #1

    Sonja (Samstag, 24 September 2016 09:25)

    Liebe Christina, ich danke dir für deine Worte und ja es geht mir ganz genau so-auch ich würde das tägliche Tierleid am liebsten leugnen um nicht daran kaputt zu gehen. Mein Geld ist leider immer sehr knapp, würde aber dennoch gerne einen (wenn auch kleinen) Betrag spenden. Dir möchte ich für deinen unüermüdlichen Einsatz, deine wunderbaren Nachrichten und für dein einfach Dasein danken❤️

  • #2

    Christina (Samstag, 24 September 2016 09:41)

    Liebe Sonja, vielen herzlichen Dank für deine Worte und deine Bereitschaft zur Hilfe, auch im Namen der Hunde! <3