Hunde, die knurren ...

Welchem Hundehalter ist es nicht schon einmal so gegangen: Der eigene Hund knurrt einen anderen Hund oder Menschen an und das erstbeste, das einem einfällt, ist ein tiefes langgezogenes "Ruhig" (das übrigens für einen Hund auch wie ein Knurren klingt) oder ein strenges „Aus!“. Ich selbst habe mich schon dabei ertappt, zu Dave „Liiiieb sein!“ zu säuseln, während dieser eine Dogge anknurrt, unter der er gerade steht.

 

Nun gut, wie sind ja auch nur Menschen und handeln oft aus dem Bauch heraus in der Meinung, das Richtige zu tun. Wir alle wissen ja genau, dass Knurren eine Art der Kommunikation des Hundes ist. Er teilt uns Menschen und den Hunden damit mit, dass er sich mit der gegenwärtigen Situation äußerst unwohl und auch meistens überfordert fühlt. Ein Hund knurrt nie ohne Grund, soviel ist sicher. Trotzdem verhalten wir uns oft falsch.

Ein Hund reagiert auf Angst oder Unsicherheit erst einmal mit den Beschwichtigungssignalen wie Wegschauen, Wegdrehen, Pfote heben, etc. Wenn das nichts hilft, werden die Signale aus seiner Sicht immer deutlicher, bis hin zum Knurren. Wenn auch das nichts hilft, zeigt der Hund die Zähne, zwickt oder beißt (je nach „Gegner“). Leider ist es so, dass wir Menschen diese subtilen Beschwichtigungssignale des Hundes kaum oder gar nicht wahrnehmen und daher das Erste, das wir wahrnehmen, das Knurren ist. Und dann überrascht sind, warum der Hund aus heiterem Himmel knurrt. Mitnichten, keinesfalls heiterer Himmel! Der Hund hat bereits sein ganzes Repertoire aufgeführt, bevor der Mensch überhaupt zur Kenntnis nimmt, dass seinem vierbeinigen Freund die Situation unangenehm ist.

 

Bestraft man einen Hund, der knurrt, traut er sich vielleicht das nächste Mal nicht mehr zu knurren, und geht gleich auf Angriff über. Das sind dann die traurigen Momente, in denen die Menschen plötzlich so entsetzt sind und sagen: „Aber er war doch immer soooo brav!“ Ja, er war brav, so brav, dass er auf das Knurrverbot reagiert hat und eben nicht mehr geknurrt hat. So wurde ihm die letzte Möglichkeit genommen, zu sagen „Bis hierher und nicht weiter.“ Aus diesem Grund ist es sogar positiv, wenn ihr Hund knurrt, denn nur so können Sie auf die Situation angemessen reagieren.


Was ist nun die richtige Reaktion auf ein Knurren Ihres Hundes?

 

Respektieren und akzeptieren Sie die Reaktion Ihres Hundes. Schimpfen Sie ihn nicht, sondern versuchen Sie, die Situation abzuschätzen, ob sie gefährlich ist und wie Sie reagieren können. Nun können Sie Ihren Hund aus der für ihn angsterzeugenden Situation herausholen. In weiterer Folge ändern Sie bitte die grundsätzliche Haltung Ihres Hundes gegenüber dem Auslöser, indem Sie ihn gegenkonditionieren. Hierbei kann Ihnen ein guter Verhaltensberater oder Hundetrainer gute Dienste erweisen. Doch natürlich kann man auch mit einer Tierkommunikation sehr viel an diesem Thema verbessern.

 

In einem Gespräch frage ich Ihren Hund, was genau sein Knurren auslöst und wir decken seine bewussten und unbewussten Ängste und die dahinterliegenden Erfahrungen auf. Danach lösen wir seine Ängste in einer geführten Meditation. So kann Ihr Hund wieder unbeschwert in Situationen gehen und sich vertrauensvoll an Sie wenden, bevor ihm alles zu viel wird. Auch Sie lernen durch ein Gespräch Ihren Hund besser kennen und können ihn besser einschätzen und dementsprechend schneller reagieren. 


Die charmante Hündin Brownie hat zu diesem Thema ein sehr interessantes Gespräch mit mir geführt, an dem ich Sie gerne teilhaben lassen möchte. Hier ist ein Auszug daraus:

Du weißt sicher, dass es ja immer wieder Menschen gibt, die von Hunden angefallen werden und dann sind auf einmal immer nur die Hunde schuld, nie die Menschen. Das ist so unendlich traurig, dass es mir fast das Herz zerreißt. Wir Hunde haben ja keine Stimme, genauso wenig wie alle anderen Tiere, die ihr Menschen verstehen könnt. Außer natürlich jetzt im mentalen Gespräch. Doch sonst hören die meisten Menschen uns einfach nicht zu. Wir versuchen es mit Gesten, Mimik, Körpersprache, alles was uns zur Verfügung steht. Doch das ist zu wenig. Dann knurren wir, das wird meistens bereits verstanden. Aber auch das ist den Menschen dann schon zuviel Aggression.

 

Wobei ihr Menschen ja gar nicht bedenkt, was wir Hunde euch wirklich antun könnten, wenn wir wollten. Aber wir wollen nicht. Wir wollen euch nur warnen, dass unsere Grenze erreicht ist. Und dann werden wir ermahnt, ruhig zu sein. Wenn wir knurren. Und wenn wir dann nicht mehr knurren dürfen, und unsere Grenze wieder überschritten wird, dann müssen wir beißen. Was sollen wir denn sonst tun?

 

Ich möchte das gesagt haben, damit es um die Welt geht. Damit auch andere Menschen erfahren, dass das Knurren eigentlich höflich gemeint ist und in etwa soviel heißt wie „Darf ich dich bitten, damit aufzuhören?“. Erst dann wird es lauter und vehementer, bis zum Angriff.

 

Das hast du sehr anschaulich gesagt, Brownie. Ich bin mir sicher, dass deine Worte vielen Menschen helfen werden, dies nun besser einzuschätzen. Ich hoffe, dass es den meisten Menschen, die mit Hunden zusammen leben, bereits bewusst ist, doch all die anderen, die von Hunden keine Ahnung haben, sollte man das auch einmal sagen.

 

Ja, das ist die Botschaft für diese Menschen. Wie gesagt, ich möchte nochmals betonen, dass ihr Menschen das Knurren bei Hunden nicht abstellen sollt, indem ihr uns dafür schimpft, sondern bitte respektiert es als Zeichen, dass wir Abstand brauchen. Und dann verändert die Situation, dann hören wir auch auf zu knurren. Natürlich weiß ich, dass man uns nicht alles durchgehen lassen darf, weil wir sonst sehr schnell die Chefposition einnehmen – zumindest viele von uns – doch das Knurren ist kein Zeichen für Dominanz, sondern eher, wie schon gesagt, eine höfliche Bitte, womit auch immer aufzuhören. Erst dann wird es eine Drohung, wenn die Bitte ignoriert wird.